Jahrgang 2015: Eine Pionierin des 1. Jahrgangs des Master Cloud Computing Engineering (MCCE) erinnert sich an die Studienzeit

Frage: Zunächst zum Einstieg würde mir gerne ein bisschen was über dich erfahren. Kannst dich mal kurz vorstellen.

Elisabeth: Ja, hallo, ich heiße Elisabeth Bauer. Ich bin auf der Hochschule Burgenland ein Wiederholungstäter gewesen, weil das Cloud Computing war mein vierter Abschluss.


Frage: Nicht schlecht.

Elisabeth: Ansonsten, ich arbeite in einer Versicherung im Vertrieb und zwar Schnittstelle zur IT. Das heißt, ich bin für die Verkaufssysteme da zuständig, also das, was die Vermittler, sowohl die Außendienstmitarbeiter als auch die Makler und Agenten zum Verkauf von Versicherungen benötigen. Selber verkaufe ich aber keine.


Frage: Okay, verstehe. Und du hast jetzt schon gesagt, du bist Wiederholungstäter. Wie ist es aber dazu gekommen, dass du dich genau für dieses Masterstudium Cloud Computing entschieden hast?

Elisabeth: Ja, ich war damals auf einem Infotag. Damals gab es das Studium ja noch nicht. Wir waren ja der erste Jahrgang. Und Christian Bühl hat es so vorgetragen und ich habe mir das einfach mal so interessehalber angehört. Ich bin da drin gesessen. Macht eigentlich, das klingt echt gut. Und ich habe vorher Business Process Management gemacht und habe mir gedacht so, das klingt danach, als könnte man das, was ich in dem einen Studium gelernt habe, dort dann technisch umsetzen. Und so bin ich zu dem Studium dann eigentlich gekommen. Habe mir gedacht, okay, probierst du es einfach mal.


Frage: Okay. Und wenn jemand, der noch gar keine Bürgerungspunkte mit dem Studium oder mit Cloud Computing überhaupt gehabt hat, wie würdest du dem so die Inhalte oder dieses Studium erklären, was man da genau lernt?

Elisabeth: Also es ist eine Mischung aus der technischen Basis für die Cloud schaffen, als auch die Rahmenbedingungen rundherum zu nutzen und auch zu kennen.


Frage: Okay. Und welche Inhalte beziehungsweise Schwerpunkte haben dich da besonders geprägt? Und warum?

Elisabeth: Also ich muss sagen, das Thema Security und später auch noch das Thema Datenschutz. Einfach, weil ich das in meinem heutigen Beruf gut anwenden kann. Und mich haben immer diese Sachen mehr rund um die Cloud interessiert. Was brauche ich für eine Cloud? Was muss ich beachten? Also all die Themen, die man einfach nicht immer sofort am Schirm hat.


Frage: Okay. Du hast es schon kurz angesprochen. Beruf und Studium. Welche Rolle hat das Studium in deinem Berufsweg gespielt? Hat sich dadurch in deinem Berufsumfeld etwas verändert durch das Studium? Oder war das ergänzend zu dem, was du schon gemacht hast? Oder war das irgendwie ganz was anderes?

Elisabeth: Es ist ergänzend. Es ist ein Teil von vielen, muss ich sagen. Mein Berufswandel hat sich jetzt nicht unbedingt geändert. Mitunter kurz bevor ich das Studium damals angefangen habe, habe ich gerade einen Job gewechselt. Also das hat sich gerade ergeben. Aber ich muss sagen, die Themenfelder, die ich jetzt in meinem Job bearbeite, die hat sehr wohl beeinflusst. Also wo ich mich da noch spezialisiert habe, welche Projekte ich übernehmen konnte, das da war schon viel Einfluss dabei.


Frage: Okay, also dahingehend hat sich das dann ein bisschen in diese Richtung auch entwickelt aufgrund des Studienabschlusses oder aufgrund des Studiums.

Elisabeth: Genau.


Frage: Und gab es konkrete Inhalte oder Erfahrungen, die dir im Beruf besonders geholfen haben?

Elisabeth: Also ich muss sagen, wenn man auf der Anfordererseite ist, dann ist man sehr viel mit Fachlichkeit konfrontiert und wird dann von der Technik, in dem Fall die IT, oft nicht ganz ernst genommen. Und wenn man dann aber einen technischen Hintergrund hat und auch noch ein Studium in der Richtung, dann kann man sich leichter in der Richtung behaupten und kommt auch leichter damit seinen Anforderungen sozusagen durch, dass man das bekommt, was man will, weil einfach die Gesprächsbasis besser ist. Es ist so, als Anforderer hat man ein bisschen eine Übersetzungsfunktion von den fachlichen Wünschen, auch von den juristischen Wünschen, dass das ein Techniker nachvollziehen kann und umgekehrt die Rückfragen der Techniker muss man auch wieder übersetzen und da hilft einem so ein Studium irrsinnig.


Frage: Okay, vermutlich nicht nur fachlich, sondern auch interdisziplinär.

Elisabeth: Genau.


Frage: Okay, kenne mich aus. Jetzt muss ich einfach ein Klischee bedienen. Es ist so, eine Frau in einem technischen Beruf, wie erlebst du das? Wie siehst du deine Rolle? Wie sehen die anderen deine Rolle? Bist du da akzeptiert aufgrund des Wissens? Machen sich da vielleicht auch gar keinen Unterschied deine Kollegen? Wie erlebst du das in deinem beruflichen Alltag?

Elisabeth: Also ich bin jetzt so um die 20 Jahre schon in männerdominierten Bereichen, also wurscht, ob das jetzt die IT an sich ist oder der Versicherungsverkauf ist auch noch sehr männlich dominiert, speziell der externe. Es hat sich geändert. Vor 20 Jahren, muss ich sagen, waren diese sexistischen Klischees und blöden Meldungen, Usus, wo man sich als Frau sehr behaupten musste und dementsprechend auch agieren musste, die sind jetzt nicht einmal mehr toleriert. Also dieser offensichtliche Sexismus ist nicht mehr toleriert. Was es aber immer noch gibt, sind die Biases, also die unbewussten Vorteile. Und das merkt man halt dann dran, wenn man neu in eine Runde kommt. Ich meine, ich bin oft als Frau die Einzige in einer Besprechung. Ist halt so, das ist jetzt gar nicht getrieben, weil ich eine Frau bin, sondern weil einfach bei uns die Struktur sich so entwickelt hat. Ungewollt, muss ich aber sagen. Aber wenn ich dann in neue Runden komme, dann ist es wie beim Autokauf. Wenn du als Frau ein Auto kaufen willst und du hast deinen Mann mit, redet der Verkäufer meistens mit dem Mann. Und so ist es in diesen Runden auch. In meinem Fall ist es immer recht lustig mit meinen direkten Kollegen. Ich bin in einem männlichen Team, aber die mit dem meisten technischen Hintergrund. Und meine Kollegen lehnen sich dann immer genüsslich zurück und fangen an zu schmunzeln und warten, bis ich dann, wie ein Studienkollege immer gesagt hat, aufdrehe. Also diese erste Behauptung muss man mal machen als Frau, das merke ich schon. Was ich aber sagen muss bei den Kollegen und auch sonst Leuten, mit denen ich zu tun habe. Wenn man einmal dieses Abchecken der Männer durchgestanden hat, dann ist es einfach so, wie es ist. Also das ist kein Thema mehr. Da gibt es dann keine Fragestellung deiner Kompetenz mehr oder Sonstiges. Was ich aber jetzt den Männern wieder zugute halten muss, sie sind nicht die Einzigen mit Biases. Wenn man auf Frauen trifft in der Branche, passiert einem das genauso. Also das ist leider ein Klischee, das sich durchzieht. Also auch Frauen sind vor solchen Biases nicht gefeit. Wie gesagt, aber bei den Männern, sobald einmal klar ist, wer kompetent ist und wer nicht, dann bleibt das auch so.


Frage: Das heißt, einmal durchbeißen und dann hat man mehr Fürsprecher als Gegensprecher, weil sie natürlich sehen, dass du eine Ahnung hast von dem, was du sagst und von dem, was du auch von ihnen möchtest.

Elisabeth: Genau, es ist hin und wieder sogar lustig, wenn man sich dann bei gewissen Kollegen einen Namen gemacht hat und die sind dann in so einem Meeting und erleben, dass das andere das bei einem machen, die sind dann immer ganz entsetzt.


Frage: Naja, sie können nicht nachvollziehen, dass sie auch mal in dieser Situation waren, weil am Ende des Tages hast du genau dasselbe studiert und genau dasselbe gelernt wie Männer, die diesen Studienabschluss haben.

Elisabeth: Genau.


Frage: Wenn du so an deine Zukunft denkst, ganz blöd gesagt, willst du dort bleiben, wo du bist oder glaubst du, dass du mit dem Studienabschluss vielleicht dann noch andere Pläne oder andere Wege einschlagen kannst?

Elisabeth: Ich glaube, ich bleibe momentan alle Türen offen. Also ich werde nicht auf ewig oder bis zur Pension dort bleiben, wo ich bin. Das ist mir absolut klar. Das Studium bietet halt noch weitere Möglichkeiten und weitere Zweige, wo man sich hin orientieren kann. Also man ist nicht auf eine Branche fixiert, in meinem Fall die Versicherungsbranche, sondern ich kann auch in einer anderen Branche etwas machen und mit dem Studium habe ich einfach mehr Möglichkeiten.


Frage: Okay, weil Cloud Computing klingt ja jetzt schon sehr technisch, sehr IT-lastig, aber du sagst, es bietet Raum für unterschiedliche Branchen.

Elisabeth: Ja, ganz einfach, weil das Thema Cloud, genauso wie es KI oder AI ist, ist in allen Branchen vorhanden. Ob etwas bewusst ist oder nicht, aber überall laufen die IT-Systeme, überall ist Vernetzung ein Thema und überall ist Datenhaltung und auch Ressourcen, technische Ressourcen ein Thema, egal in welcher Branche.


Frage: Also ein Studium, das dich breit aufstellt.

Elisabeth: Ja.


Frage: Perfekt, perfekt.Du hast jetzt gesagt, das ist dein vierter Abschluss an der Hochschule Burgenland. Ja. Zum einen, was waren die Kriterien, dass du dich dafür entschieden hast und wenn du dich heute erneut für eine Hochschule entscheiden müsstest, welches Argument wäre so dieses Killer-Argument für die Hochschule Burgenland für dich?

Elisabeth: Also ein Grund, warum ich immer wieder gekommen bin, waren die berufsvergleichenden Studien und die Flexibilität, die man dadurch hatte. Es hat sich immer sehr gut mit meinem Berufsleben vereinbaren lassen und auch mit meinem Privatleben, das muss man auch sagen, das ist auch nicht so leicht.


Frage: Ja.

Elisabeth: Dieser persönliche Umgang an der Hochschule Burgenland, man ist in Kleingruppen, man kennt sich, man trifft sich eigentlich immer wieder, man hat nie das Gefühl, nur eine Nummer zu sein und also abgesehen von den Inhalten, die ja auch immer sehr innovativ sind, finde ich, weil Cloud Computing damals war einer der ersten Studiengänge, den es überhaupt gab. Jetzt gibt es den AI-Studiengang, die Hochschule ist immer am Zahn der Zeit, muss man sagen und sie entwickelt auch die Studiengänge immer weiter.


Frage: Ja, das stimmt, das stimmt. Wenn wir jetzt sagen, du triffst auf jemanden, der noch ganz unentschlossen ist, ob er dieses Studium machen soll oder nicht, was für Vorteile es ihm bringen könnte, was würdest du so einem Studenten oder so einer Studentin gerne auf den Weg geben, um ihm oder ihr die Entscheidung einfacher zu machen?

Elisabeth: Ich finde, es ist einfach eine Lebenserfahrung. Es ist eine schöne Erfahrung, es gibt gute Möglichkeiten und wenn einem das Thema interessiert, go for it.


Frage: Okay, ja, du hättest mich schon überzeugt, das ist mein drittes Studium, also ich bin auch Wiederholungstäter, nicht an der Hochschule Burgenland, aber ja, ich kann das auch unterschreiben. Es sind einfach Erfahrungen, die man macht, die einem manchmal vielleicht an Grenzen bringen. Weiß ich nicht, ob du da auch mal vor so einer Grenze gestanden bist und gesagt hast, wofür eigentlich das alles und sich aber dann trotzdem wieder motivieren und weitermachen.

Elisabeth: Genau bei dem Studium hatte ich diesen Punkt, weil wie ich die Kurse und so weiter gemacht habe, bin ich schwanger geworden mit meiner ersten Tochter und habe es dann während der Karenz nicht geschafft, die Masterarbeit zu schreiben und bin dann etwas später wieder von der Hochschule Burgenland kontaktiert worden und mir wurde die Chance gegeben, die Masterarbeit zu schreiben und auch den Abschluss zu machen. Und ganz ehrlich, bei der Abschlussprüfung war mir ziemlich schlecht, weil ich das zweite Mal schwanger war. Aber es ist immer möglich.


Frage: Ja, und ich glaube, da ist die Hochschule oder die Hochschulen generell ein bisschen flexibler als die Universität als solches. Die stellen sich auch eben, weil berufsbegleitend. Die wissen ja auch, man ist da selber vielleicht oftmals mit den Gedanken woanders im Beruf, weil das Studium zahlt halt nun mal die Rechnungen nicht, sondern der Beruf. Und ich glaube, da sind sie auch sehr entgegenkommend und sehr flexibel. So haben wir das eben auch kennengelernt und ich gehe mal davon aus, dass es in dem Master Cloud Computing ähnlich ist.

Elisabeth: Also definitiv, der war gut aufgestellt und es waren auch viele Möglichkeiten zu lernen. Also jeder kommt mit einem anderen Hintergrund und wir haben viele Gruppenarbeiten gehabt, wo wir auch viel voneinander lernen konnten.


Frage: Ja, ich glaube, das ist auch wesentlich, dass man einfach unterschiedliche Blickpunkte auch in ein Studium bringt, weil nur jemanden, der schon mit dem Thema beschäftigt war, auszubilden ist vielleicht jetzt auch nicht zielführend, sondern eben diese Diversität macht es, glaube ich, auch aus.

Elisabeth: Ja, definitiv.


Frage: Perfekt. Und wenn du jetzt sagst, drei Schlüsselbegriffe oder Keywords, die dir einfallen, die sind bildlich für dein Studium, also so wie du dieses Studium absolviert hast, wie du es erlebt hast, die für dich stehen, was wären das für Keywords?

Elisabeth: Security, berufsbegleitend und die Gruppenarbeiten, muss ich sagen. Das sind so die drei Dinge, die ich immer damit verbinde, weil ich einfach in diesen Gruppenarbeiten so viel noch für einen anderen gelernt habe.


Frage: Ja, man lernt nicht nur im Fach, sondern für sich selber und fürs Leben. Das haben wir auch schon bemerkt. Gut, eigentlich bin ich mit den Fragen soweit durch. Gibt es noch etwas, das dir wichtig ist, dass du noch uns oder auch zukünftigen Studenten oder auch aktuellen Studenten mitgeben möchtest, dass wir so jetzt in diesen Fragen noch nicht angesprochen haben?

Elisabeth: Ja, etwas gibt es, dass normalerweise Leute, wenn sie das Studium sich aussuchen, nicht achten. Aber vielleicht ist dann schon interessant, wenn sie im Studium sind, nämlich der Alumni-Verein. Da bin ich auch gerne dabei und ich finde, das ist echt ein Asset von der Hochschule Burgenland. Die haben in den letzten Jahren da wirklich einen tollen Alumni-Verein hochgezogen und ich finde, das kann man auch gerne weitergeben.


Frage: Magst du da vielleicht noch ganz kurz ein paar Insights geben, damit man sich ein bisschen mehr darunter vorstellen kann?

Elisabeth: Also der Alumni-Verein ist jetzt, glaube ich, vor 10, 15 Jahren ins Leben gerufen worden und organisiert immer wieder Veranstaltungen, sei es Alumni mit Alumni, also wo man einen Alumni in seinem Arbeitsumfeld besucht oder auch bei Motto am Fluss in Wien mal einen Wunsch zu Weihnachten oder so. Man kommt mit ehemaligen Studenten zusammen aus allen Fachrichtungen, also auch von allen Standorten, sowohl Pinkerfeld als auch Eisenstadt und ich muss sagen, die Barbara Kramer-Melsch, die die Geschäftsführerin von diesem Verein ist, die ist da wirklich dahinter, dass da immer wieder interessante Veranstaltungen sind und ich schätze es einfach, dass man so auch mit der Hochschule Burgenland in Kontakt bleiben kann.


Frage: Ja, das klingt super interessant. Ich glaube, das werden wir uns auch mal ansehen.

Elisabeth: Freut mich.


Frage: Also ich auf jeden Fall. Ich hoffe, ich kann für meine Studienkollegen da auch sprechen.

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