Jahrgang 2020: Berufsbegleitendes Masterstudium von Deutschland (Stuttgart) aus ins Burgenland (Eisenstadt)? Kein Problem!

Dominik: Ich bin Dominik Thiede. Ich habe, jetzt muss ich selbst mal überlegen, von 2018, nein, doch, von 2018 bis 2020 habe ich meinen Master gemacht in Cloud Computing Engineering an der Nokia in Deutschland am Standort Stuttgart. Genau, und bin jetzt mittlerweile nach meinem Studium als Lektor beziehungsweise Dozent für das Thema Software-Defined Network auch wiederum im Master of Cloud Computing bei Igor angestellt sozusagen.



Frage: Okay, darf ich mal eine ganz persönliche Frage stellen. Ich hoffe, ich trete dir nicht zu nahe, aber man hört, dass du nicht aus dem Burgenland oder aus Österreich kommst. Wie kommst du, ich gehe mal davon aus, weil du auch gesagt hast, Stuttgart, wie kommst du von Deutschland an die FH ins Burgenland?


Dominik: Ich habe damals nach meinem Bachelor zwei Jahre im Bereich SDN, also Software-Defined Networks, bei der Nokia gearbeitet als Ingenieur. Software-Defined Networks ist sehr eng mit Cloud Computing gekoppelt, weil Software-Defined Networks meistens dafür verwendet wird, um Datenzentren aufzubauen, die wiederum Cloud-Applikationen bereitstellen. Das hieß dann für mich nach zwei Jahren Arbeit, dass eigentlich ich noch einen höheren Ausbildungsweg anstrebe und gerne noch einen Master machen möchte. Ich habe mich dann informiert, zusammen mit einem Kollegen von mir, was da reinpasst. Es war klar, dass es berufsbegleitend sein sollte. Wir wollten nicht nochmal einen Vollzeit-Master machen. Es war auch klar, dass es uns in unserem beruflichen Werdegang weiterbringen sollte. Sprich, es muss irgendwas im weitesten Sinne mit Cloud Computing zu tun haben, beziehungsweise mit SDN. Mit den zwei Schlagwörtern haben wir uns dann auf die Suche gemacht im Internet. Tatsächlich hat mein Kollege dann den Studiengang an der FH Bogenland gefunden. Wir haben dann geschaut und abgebogen, weil es immer noch so ist, dass man alle zwei Wochen Präsenztermine am Freitag und Samstag hat, was natürlich für uns bedeutet hat, dass wir viel reisen mussten aus Deutschland. Wie gesagt, wir haben abgewogen, ob das Sinn macht, haben uns dann beworben und wurden auch beide angenommen und haben dann zusammen den Master gemacht. Jetzt fällt mir auch ein, ich habe den Master nicht von 2018 bis 2020, sondern von 2020 bis 2022 gemacht. Nach 2018 war ich fertig.



Frage: Ihr seid dann immer hin und her gepennt zwischen Deutschland und Schöneburg.


Dominik: Nein, da muss man auch ehrlich gesagt sagen, ich glaube, das darf man gar nicht so laut sagen, da hat uns tatsächlich Corona ein bisschen in die Karten gespielt. Wir waren, glaube ich, zweimal, also am Anfang die erste Vorlesung vor Ort und dann, ich glaube, die Vorlesung danach auch nochmal. Dann kam Corona und dann war erstmal ganz viel Remote. Ich glaube, ich war während des gesamten Studiums, also während der zwei Jahre insgesamt sieben, acht Mal überhaupt vor Ort. Im Endeffekt hat sich das in Grenzen gehalten, aber ja, wir haben ja damit gerechnet, dass wir weitaus öfter reisen.



Frage: Das heißt, es war so interessant für euch, dass ihr gesagt habt, das nehmt ihr auf euch.


Dominik: Genau, genau. Man muss auch dazu sagen, wir haben ja uns informiert, wie kommen wir da am besten, am schnellsten, am kostengünstigsten vielleicht auch hin. Und vor Corona gab es in Stuttgart am Flughafen noch EasyJet, da konnte man für ungefähr 30 Euro fliegen. Während und nach Corona hat dann ein Flug ungefähr 200 Euro gekostet. Leichter Unterschied. Wir sind auch teilweise mit dem Nachtzug gefahren. Das ist natürlich umwelttechnisch und auch geldtechnisch sehr viel freundlicher, sage ich mal. Aber man ist halt, ich glaube, acht Stunden unterwegs. Also ja.



Frage: Das ist schon einiges. Was macht das Studium so interessant oder was hat das Studium für dich, für euch so interessant gemacht, dass du sagst, das nimmst du auf dich? Was kann sich jemand vorstellen, der davon noch nichts gehört hat?


Dominik: Für mich persönlich hat es zum einen perfekt in meinen Momentan, also zu dem Zeitpunkt ist auch immer noch teilweise so, in meine Jobrolle perfekt reingepasst. Von den inhaltlichen Faktoren einfach, von den Vorlesungen, genau, von den Vorlesungsinhalten, so muss man ja sagen. Dann fand ich es interessant, dass es ja nicht nur rein ein technisches Studium ist, sondern auch viel, ich glaube fast 50 Prozent auch Managementthemen behandelt werden. Also so ein bisschen als Vorbereitung auch vielleicht auf eine Teamlead-Rolle oder Abteilungsleiter oder irgendwas in dem Bezug. Das fand ich interessant. Und dann muss man auch ehrlich sagen, mit den, wie gesagt, zwei Schlagwörtern Berufsbegleitend plus inhaltlich ungefähr Cloud Computing, haben wir in Deutschland auch einfach fast gar nichts gefunden. Wodurch dann die Wahl schon relativ schnell dann auf die FH Burgenland gefallen ist. Und man muss dazu sagen, das ist jetzt ein Kriterium, das ist vielleicht jetzt nicht vom Studiengang abhängig, aber ein vergleichbares Studium in Deutschland hätte uns ungefähr zwischen 12.000 und 20.000 Euro gekostet. Und an der FH Burgenland quasi nichts. Das wussten wir im Vorfeld nicht, muss man sagen, das wussten wir, als wir uns angemeldet haben, auch noch nicht. Das wurde uns dann gesagt. Das war natürlich so ein bisschen das i-Tüpfelchen bei der ganzen Sache.



Frage: Ja klar. Und welche Schwerpunkte oder Inhalte des Studiums haben dich in deinem Beruf, in deinem Studium besonders geprägt und warum?


Dominik: Das war ganz interessant, weil als ich das Studium angefangen hatte, ich komme so eher von der technischen Schiene. Ich habe auch in meinem Bachelor Elektrotechnik studiert, habe auch schon frühe Interesse für Technik gehabt und habe eigentlich vorrangig den Master angefangen, weil ich mir gedacht habe, okay, technisch auf jeden Fall sehr interessant und bei den Managementthemen mal schauen, wie das ist. Im Endeffekt muss ich rückblickend sagen, dass es eigentlich genau andersrum war, dass ich die technischen Themen im Masterstudiengang schon interessant fand, aber dadurch, dass ich ja schon aus der technischen Ecke kam, auch mit, ich meine, ich habe ein duales Studium gemacht, sprich ich habe schon Praxiserfahrung gehabt seit 2015 in dem Bereich, also schon ein bisschen Erfahrung zumindest, fand ich die technischen Themen im Studiengang schon interessant, aber sie waren jetzt nicht wirklich extrem neu oder, also klar habe ich ein bisschen aufgebaut, keine Frage, aber ich kannte die ganzen Themen schon etwas. Und bei den Managementthemen war es genau umgekehrt, da kannte ich mich also gar nicht aus und das hat mich ziemlich gecatcht, muss ich sagen und rückblickend betrachtet, haben mich diese Vorlesungen, glaube ich, mehr geprägt und weitergebracht, als die tatsächlich technischen Themen. Spielt auch jetzt die Situation mit rein, dass ich jetzt eine neue Rolle habe, also ich bin technischer Projektmanager, da steht ja das Wort Management schon mit drin, genau, das heißt, ich habe halt mit diesen Managementthemen jetzt viel mehr Berührungspunkte, als ich sie davor hatte in einem reinen Engineering-Beruf, sage ich mal.



Frage: Das heißt, das Studium hat jetzt grundsätzlich auch deine Zukunftspläne entsprechend auch beeinflusst oder eine Richtung vorgegeben oder hätte sich das vielleicht auch ohne das Studium ergeben, wie siehst du das?


Dominik: Also ich glaube, mein beruflicher Werbegang, da hat das Studium tatsächlich eher weniger Einfluss drauf. Also ich hätte die Rolle wahrscheinlich auch, ja, ich wahrscheinlich hätte die Rolle auch bekommen, ohne den Masterabschluss jetzt gehabt zu haben. Aber natürlich muss man dazu sagen, es ist halt schwer zu vergleichen, aber ich denke zumindest, dass die Vorlesungen halt auch dafür gesorgt haben, dass ich jetzt gleich in meiner Rolle praktisch besser performen kann, dass ich auf mehr Wissen zurückgreifen kann. Wie gesagt, es ist schwer zu vergleichen, weil ich habe ja keinen Vergleich. Ich kann ja nicht vergleichen, was wäre, wenn ich das nicht gehabt hätte. Aber ich denke schon, dass ich da auf einige oder viele Inhalte zurückgreifen kann, die halt jetzt dafür sorgen, dass ich praktisch in meiner Rolle besser bin, wie auch immer, als ich es wäre, wenn ich das Masterstudium nicht gemacht hätte.



Frage: Wir feiern ja nächstes Jahr zehn Jahre MCCE-Studiengang, aber es ist trotzdem eigentlich noch eine relativ junge Disziplin. Ich gehe mal davon aus, da gibt es auch relativ viel in Forschung investiert oder ein bisschen in diese Richtung. Wie siehst du da die inhaltliche Relevanz des Studiums für diesen Themenbereich?


Dominik: Extrem hoch, muss man ehrlich so sagen. Es war schon sehr zukunftsträchtig, als ich angefangen habe 2020. Da waren schon Cloud quasi im Buzzword und in aller Munde. Aber damals war dieses ganze KI-Thema noch gar nicht so groß. Und mittlerweile jetzt seit zwei, drei Jahren, wo KI auch einfach viel relevanter wird, werden auch KI-Data-Center viel relevanter. Und dadurch kriegt dieses ganze Studium auch nochmal eine ganz andere Relevanz in der Industrie und Forschung. Deshalb denke ich, dass das extrem relevant ist. Und was ich an dem Studium auch zusätzlich ganz gut fand oder sehr gut fand, es gab ja fast in jedem Semester eine Vorlesung aktuelle Themen. Und das war genau das, was der Titel auch beschreibt, dass es sehr dynamisch aktuelle Themen in dieser Vorlesung besprochen wurde. Ich weiß gar nicht mehr, was es war, Bitcoin, Quantencomputing, solche Geschichten. Und da merkt man halt, dass das Studium sehr nah am Zahn der Zeit ist, sage ich mal. Und aktuelle Themen halt auch immer weiter in das Studium integriert werden.



Frage: Das heißt, Mehrwert in unterschiedlichen Branchen, in unterschiedlichen Themenbereichen auf jeden Fall gegeben.


Dominik: Auf jeden Fall gegeben, ja. Und wahrscheinlich in der Zukunft noch viel relevanter, als es jetzt eh schon ist.



Frage: Also da geht noch mehr, sagst du.


Dominik: Ja, also wir arbeiten ja bei Nokia, sage ich mal. Wir sind ja Infrastrukturanbieter. Wir sorgen ja für, ich sag mal, IP-Infrastruktur und sind auch in Datacenter-Projekten sehr tief drin. Und wir merken da jetzt schon einen extremen Boom, was wie gesagt diese Datacenter-Cloud-basierten Anwendungen und so weiter, KI-Learning-Systeme und so angeht. Also da wird wahrscheinlich in Zukunft noch viel mehr gehen.



Frage: Das heißt, durchaus relevant, dass wir hier weiter ausbilden und vielleicht die ein oder anderen zukünftigen Studenten da noch generieren. Was würdest du denen mitgeben, wenn sie noch unentschlossen sind, dass vielleicht das richtige Studium für sie ist? Ja, wie würdest du diese Studenten oder möglichen Studenten gewinnen wollen?


Dominik: Also, ich glaube, es gibt da mehrere Punkte. Ein Punkt ist, wie schon gesagt, dass das einfach ein Studiengang ist, mit dem Abschluss man, glaube ich, auf dem Arbeitsmarkt sehr viele Möglichkeiten hat, weil es halt so zukunftsprächtig ist. Zum anderen, wenn jemand nicht weiß, ob das Studium für einen das Richtige ist, weil vielleicht die Person mehr aus der technischen Ecke kommt und sich nicht sicher ist, ob der Management-Teil für sie das Richtige ist oder genau andersrum, eher aus einem, ich sag mal, BWL-Studium-Bachelor kommt und nicht weiß, ob der technische Part das Richtige ist, da würde ich sagen, keine Angst davor haben, ein bisschen über den Tellerrand gucken, genau seine Perspektive ein bisschen erweitern, weil ich selbst ja auch gemerkt habe, dass ich so ein bisschen, ich sag mal, Bauchschmerzen hatte vor dem Management-Teil und im Endeffekt war das der, der mich mehr geprägt hat im Masterstudium als der technische Teil, wo ich dachte, dass das eher meine Vorliebe wäre. Deshalb würde ich das auf jeden Fall mal auf mich zukommen lassen, genau.



Frage: Also eine gute Kombination aus beiden Aspekten.


Dominik: Richtig.



Frage: Okay, du hast eingangs gesagt, du bist aktuell als Dozent an der Hochschule Burgenland tätig. Was hat dich dazu motiviert?


Dominik: Igor. Das kam nicht von mir, die Idee, sondern nach meinem Masterabschluss hat Igor mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte, praktisch die Software-Defined-Network-Vorlesung, die ich auch selbst schon hatte als Studierender, zu übernehmen als Dozent, weil auch ein bisschen mein Feedback für die Vorlesung war. Die Leute, die Professoren, die die Vorlesung gemacht haben, waren sehr, sehr tief drin, aber von einer, ich sag mal, auf der Forschungsebene. Also sie haben sehr viel geforscht, was das Thema angeht, aber meiner Meinung nach geht da Forschung und der Stand der Technik, so wie er in der Industrie angesetzt ist oder umgesetzt wird, sehr weit auseinander. Es wurden Themen besprochen, die vielleicht in fünf bis sechs Jahren Anwendung finden, wo ich mir sage, okay, der Masterstudiengang, wir sind ja nicht auf einer Uni, wir sind ja auf einer Fachhochschule, soll meiner Meinung nach schon mehr Praxisbezug haben. Dadurch, dass ich ja aus dieser Ecke beruflich auch komme, hat, glaube ich, Igor mich angesprochen, ob ich das übernehmen würde. Ich war mir am Anfang noch nicht sicher, ob das das Richtige für mich ist, aber ich habe halt auch über den Tellerrand geguckt und gemeint, klar, probieren wir aus. Wenn es nichts für mich ist, dann halt ein Jahr darauf nicht mehr, aber mittlerweile mache ich das jetzt seit zwei Jahren, glaube ich. Und es gefällt mir auch. Es ist eine andere Herausforderung, definitiv, weil manchmal ist man ja auch ein bisschen berufsblind und denkt eigentlich, der Gegenüber müsste das ja alles verstehen, weil man schon so lange in dem Thema ist, was dann aber definitiv nicht der Fall ist. Und so kriegt man auch nochmal eine andere Perspektive auf die Dinge und mit Studierenden zusammenzuarbeiten. Es gibt auch nochmal anderen Input, vielleicht auch Themen, Inhalte, über die man selbst noch gar nicht nachgedacht hat. Deshalb ist das, ich sage mal, sehr erfrischend. Ich stand ja damals auch vor der Entscheidung, mache ich jetzt das Masterstudium, vor allem mache ich das Masterstudium an der FH Burgenland, die so weit weg ist, mit so viel Anfahrtzeit und so viel Aufwand verbunden. Und im Endeffekt, ich wusste im Vorfeld schon, dass es effektiv für meinen Karriereweg in der Firma nichts bringt, ob ich einen Master habe oder nicht. Das ist also rein aus der intrinsischen Motivation entstanden, dass ich den Master machen will. Und ich glaube, Leute, die daran zweifeln, sollten sich dann auch nochmal fragen. Ich war mit meinem Bachelor, glaube ich, mit 22, also ich war 22 Jahre alt, als ich meinen Bachelor hatte. Sollte das dann wirklich schon das Ende der Karriere sein, bzw. nicht der Karriere, aber des akademischen Pfads? Und wenn man sich jetzt nochmal den Master macht, fällt einem bestimmt manche Dinge leichter, als wenn man das, ich sag mal, aufschiebt und dann mit 30, 35 erst macht. Deshalb würde ich jeden ermutigen, der darüber nachdenkt, lieber jetzt den Schritt zu gehen, vielleicht auch mal ein bisschen die Zähne zusammenbeißen, wenn es stressig wird, weil stressige Phasen wird es definitiv geben, vor allem beim berufsbegleitenden Master. Aber rückblickend ist man doch, glaube ich, sehr froh, dass man da die zwei Jahre dann durchgezogen hat und dann einen der höchsten akademischen Abschlüsse in der Tasche hat.

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